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Klassisch gescheitert – Agil erfolgreich

Um von der klassischen Unternehmensorganisation zu einer agilen Organisation zu kommen gibt es viele Phasen, die individuell durch die tatsächlichen Bedürfnisse und Gegebenheiten sukzessive angegangen werden können. Und zwischen klassisch und praktisch agil gibt es unzählige (neudeutsch) Hybrid-Phasen – also ein bisschen von da, gemischt mit ein bisschen von dort. Übrigens ist dies m.E. ein sehr guter Ansatz, da es dadurch kulturell eher eine Art „gemeinsame Evolution“ ist.

Und da dies hier nicht ein Blog von einem „Besserwisser“ ist, sondern von grundehrlichen Typen, erzähle ich Euch von meinem jüngsten Erlebnis aus meinem Unternehmen:

Vor über zwei Jahren starteten wir die Einführung einer nächsten Sharepoint-Ära. Mit viel Emotion. Wir nennen den Sharepoint voller Achtung MR.SPOCK (richtig geraten: unser Vorbild ist ein blitzgescheiter Alleskönner). Federführend ist unsere IT(-Abteilung – und wir haben die beste IT ever!).

Nun, es ist wieder einmal kurz vor Jahresende. Wir denken über neue Ziele für das kommende Jahr nach. Dazu blicken wir auch gerne mal zurück. Und dabei kommt so manches ans Tageslicht!

Also da sitzt nun mein IT-Kollege mit mir am Tisch und erklärt, dass unser MR.SPOCK-Projekt gescheitert ist…

 

 

Meine spontane Antwort aus vollem Herzen: „Gott sei Dank!“

Nachdem sich mein verdutzter Kollege wieder gefangen hatte, zählten wir gemeinsam auf, was wir gemeinsam in den vergangenen 12 Monaten mit MR.SPOCK realisiert haben. Und darauf können wir wirklich stolz sein!

Ja, keiner dieser „Erfolge“ war als „Meilenstein“ im Projektplan enthalten. Einiges wussten wir ja am Anfang des Jahres noch gar nicht. Was aber alle wussten/wissen, ist, dass es MR.SPOCK gibt. Und viele Kollegen glauben daran, dass es mit unserer IT und MR.SPOCK auch immer eine Lösung geben kann.

Und so haben viele meiner Kollegen (= „interne Kunden“) unserer IT ihre Anforderungen geschildert, sind dabei offen und experimentell an viele einzelne Projekte herangegangen und haben tolle Ergebnisse erzielt. Nicht alles funktionierte auf Anhieb zu 100 %, aber alles hatte einen Sinn. Denn wir schweigen nicht über unsere Experimente und deren Ergebnisse – wir tauschen uns wöchentlich untereinander aus („Voneinander – Füreinander – Miteinander“ – von diesem Format erzähle ich Euch ein anderes Mal). Und glaubt mir, nicht nur einmal war ein „Misserfolg“ eine Anregung für andere, woraus dann ein „Erfolg“ in einem anderen Projekt wurde.

Wären wir nun „klassisch erfolgreich“ gewesen, dann hätten wir den Fileserver (die bisherige Heimat unserer Files) abgeschaltet und unsere Files und File-Struktur in Files und File-Struktur, nur optisch ein wenig anders, auf MR.SPOCK umgezogen. Wäre das tatsächlich ein „SINNvoller“ Erfolg gewesen?

Zum Glück waren wir agil erfolgreich, denn alle unsere kundenorientierten MR.SPOCK-Projekte dienten einem Ziel: Wir brauchen im Unternehmen kein (Daten-/Dokumenten-/File-)Antiquariat, sondern agile digitale Wissenslogistik! … und da sind wir mit Spaß und Freude sehr viel weiter gekommen.

Was ich uns Agile Coaches damit sagen möchte?

Nicht jeder Hybrid funktioniert auf Anhieb und einwandfrei. Achtet darauf, dass ein Hybrid-Modell nicht zu Mehrbelastung oder gar Frustration Eurer Kollegen durch das Bedienen von Vorder- und Hinterbühne (wie Lars Vollmer in seinem Buch „Zurück an die Arbeit“ schreibt) führt.

Unterstützt und bestärkt Eure Kollegen in der agilen Arbeitsweise und motiviert zum Experimentieren. Unterstützt das Sichtbarmachen von Erfolgen UND Misserfolgen. Nutzt EINE Bühne! Denn praktisch agil wird man praktisch nur agil!

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